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Zukunft denken mit Winy Maas

Stadtgespräch als Workshop

Menschen in der Gruppe stehen vor Plan

Teilnehmer*innen des Bürger-Workshops

Am Ende erfüllte sich der Wunsch des niederländischen Architekturbüros MVRDV rund um Winy Maas und sein Team: Jeder Workshop-Teilnehmende möge ein Vielfaches an Ideen einbringen. Zirka 80 Neckarstädter*innen waren der Einladung des Quartiermanagements ins Bürgerhaus zum Stadtgespräch Neckarstadt-West gefolgt, ihren Stadtteil der Zukunft zu entwerfen. „Ein Stadtteil, der etwas ganz Besonderes ist und Eigenheiten oder ‚Merkwürdigkeiten‘ besitzt, auf die Sie stolz sein sollten“, sagt Winy Maas. 

Der Architekt mit seinem Büro MVRDV, mit Hauptsitz in Rotterdam, kennt Mannheim. Die Mannheimer kennen ihn, unter anderem als Planer der Hochpunkte „O“ und „M“ des “HOME”-Ensembles auf FRANKLIN. Bei allem visionären Blick auf Gebäude steht für ihn und sein Team der Mensch und sein Wohlgefühl im Vordergrund. So entsteht eine Architektur, die integriert. 

Deshalb war das Stadtgespräch als Workshop angelegt, in dem aus vielen Ideen ein Gesamtbild entstand. Maas sagte: „Man muss wissen, wohin man will und was man sein will“. Damit meint er, das Profil der Neckarstadt-West nicht sich selbst zu überlassen, sondern das Quartier mit ihrer Teilnahme hier in eine wünschenswerte Richtung zu lenken. Die Neckarstadt-West ist jung, viele Menschen leben allein, viele sind Alleinerziehende, viele sind Ankommende, der Anteil der Migranten ist hoch, ebenso die Arbeitslosenquote. Die Übergangsquote aufs Gymnasium dafür gering. Die Neckarstadt-West sei in Deutschland als typisch städtisch geprägter Stadtteil eine Ausnahmeerscheinung. Wohin soll also die Reise gehen? In Richtung grüner Gartenstadt? Als UNESCO-Kulturerbe? Als Menschrechtsstadtteil oder Nachhaltigkeits-Stadtteil? Von allem eine gute Mischung? 

Für solche Profilüberlegungen war es an diesem Abend zu früh, ging es doch eher um erste Ideen, um Konsens und um Stimmungen, die zunächst Gehör brauchen, später um Richtungen und noch später um Umsetzer*innne und politischen Willen. 

Gut deshalb, dass die Gruppen an den drei Workshop-Tischen bunt gemischt waren, dass die Neckarstädter*innen keine Orientierungsprobleme hatten und schnelle Punktlandungen schafften – beim Eintrag der Wünsche auf den ausliegenden Quartiersplänen, vor allem aber ließen sie Widersprüche gelten und die Perspektiven des Gegenübers. Das, was sein könnte, wurde mutig und energisch formuliert, nachdenklich oder verhalten direkt verortet. Am Ende überwog der Spaß am Zukunft denken: „Das wäre toll“. Zum Beispiel ein Markt auf einem zentralen Platz, ein Krempelmarkt entlang des Neckars, grüne Hinterhöfe, Raum für Fußgänger, ein Cafe auf dem Dach des Marchivum oder eine Fußgänger- und Radfahrerbrücke von der Neckarstadt-West in den Jungbusch. Kinder, Jugend, alte Menschen, sie wurden mitberücksichtigt – wenngleich am Ende der Veranstaltung die Anregung Applaus bekam, noch einmal gezielter die Jugendlichen einzuladen. Denn sie sind schließlich die Zukunft. 

Die grafischen Ideen-Anreize hatten Winy Maas und sein Team gesetzt und auf den Quartiersplänen verortet. Farbige, verrückte, aber durchaus machbare Gebäude an ausgewählten Stellen. Nicht immer fanden sie Konsens wie der große Globus als Bibliothek auf dem Alten Messplatz oder der Aussichtsturm auf dem Neumarkt. Dennoch beflügelten sie die Vorstellungskraft. In den Gesprächsrunden wurden: Tunnel gebaut, Garagen mit Wohnungen kombiniert, neue Routen entworfen für Fahrradfahrer, eine Lutherkirche als Sportzentrum vorgeschlagen. Es wurden Grüngürtel gezogen und Schulen geöffnet, Bibliotheken verortet, Verbindungen zwischen West und Ost geschaffen und Multifunktionszonen entworfen.  

Der Schlussapplaus galt somit nicht nur dem Architekten-Team und den Organisator*innen, sondern auch einer aktiven Workshop-Gemeinschaft, die sich über eines einig war: Im Quartier Neckarstadt-West können gute Dinge entstehen, wenn sich viele dafür einsetzen und dranbleiben.  

Deshalb wird es eine Fortsetzung geben.